Prix

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u19–create your world Young Professionals Goldene Nica 2022

Die schwarze Decke

Mary Mayrhofer
Mit diesem versteiften Textilobjekt habe ich mich darauf fokussiert, Charakteristiken einer Depression zu symbolisieren und darzustellen. Diese Arbeit übersetzt diesen mentalen Missstand in die Welt der Objekte und macht sie so auch für Betrachter*innen (be-)greifbar, die keine persönlichen Berührungspunkte mit dieser Thematik haben. Die schwarze Decke ist eine Symbiose aus jenen bewusst gewählten Gestaltungsmitteln, die mir sinnvoll erschienen, um das Projekt als Ganzes zu einer Allegorie werden zu lassen. Die Arbeit stützt sich auf Faktoren wie Schrift oder Farbe und zeigt Depression als eine tiefschwarze, versteifte Hülle, welche einen vom Genuss des Lebens abkapselt.

Wenn ich es schaffe, aus meinem Schmerz etwas zum Ausdruck zu bringen und entstehen zu lassen, habe ich das Gefühl, er ist nicht ganz umsonst. Zudem hilft es mir, mein Inneres nach außen zu tragen und anderen verständlicher zu machen, was Worte nicht schaffen.

Das Gedicht entstand an einem emotionalen Tiefpunkt am 10. 04. 2021 um etwa 03:00 morgens – lange vor Beginn des gestalterischen Prozesses, der in etwa ein halbes Jahr später seinen Anfang nahm. Wären einige Dinge anders gelaufen, so wäre dieses Gedicht einem Abschiedsbrief beigelegen und nie Teil eines Projektes geworden. Heute bin ich nicht nur froh, sondern auch extrem stolz darauf, noch hier zu sein, um meinen Schmerz in etwas morbide Schönes umzuwandeln und im besten Fall Kunst zu machen, die Menschen erreicht und berührt.

Durch dieses Projekt möchte ich mich nicht nur mit meinem eigenen Inneren konfrontieren, sondern es nach außen tragen und anderen offenbaren. Zudem möchte ich allen großartigen Künstler*innen, Eltern, Geschwistern, Freund\*innen, Fremden und Menschen, die an dieser Krankheit leiden oder bereits an ihr zugrunde gegangen sind, gedenken.


Die schwarze Decke

Die schwarze Decke umhüllt einen Menschen,
Aber der Mensch ist nicht mehr da.
Der Stoff ist fest geworden,
Hat sich versteift und ist erstarrt,
Als sich die Existenz in Nebel aufl öste.
Der Mensch ist schon weg,
Vielleicht seinen Gedanken entflohen,
Oder den Grund der Donau erforschen.

Die schwarze Decke hat bereits Tr änen aufgesogen
Und Gebete mitgeh ört.
Sie hat Schreie ged ämpft
Und sich mit Blutflecken geziert.
Die schwarze Decke
Wie die letzte Ruhest ätte einer Mumie,
Wie ein Sarg f ür jene, die noch leben.
Als letzte Erinnerung an alle,
Die zu müde waren,
um sich am Ende des Tages
einfach wieder hinzulegen
Mary Mayrhofer (2002) wohnt derzeit noch in Linz, möchte aber eigentlich die ganze Welt bereisen. Sie hat an der HBLA für künstlerische Gestaltung maturiert, möchte nun Kunsttherapeutin werden und somit ihre beiden größten Interessen – Menschen und Kunst – verbinden. In allen Bereichen ihres Lebens steht Ausdruck an erster Stelle, was auch der Grund ist, warum sie sich in ihren Arbeiten mit ihrem eigenen Inneren befasst. Obwohl sie immer wieder neue Materialien und Techniken aufgreift, hat sie sich hauptsächlich in dem Medium Collage und der Stilrichtung Dadaismus gefunden. Daran schätzt sie vor allem die Freiheit, alles auseinanderzunehmen und neu zusammenzufügen, sowie alle Normen und Konventionen zu zerstören.