Prix
The Prix Ars Electronica Archive is a collection enabling search and viewing of all the submissions since 1987. The award-winning projects are documented with catalogue texts and audio-visual media. All other submissions can be searched by title/artist and displayed with year, category in list form. Please cite the credits (artwork name, artist and photographer) and only use the materials if your article is related to Ars Electronica.
Die moderne Hausfrau
„Mein Vater verdiente deutlich mehr als meine Mutter. Deshalb war es naheliegend, dass sie zu Hause bei den Kindern blieb.“
„Mein Opa starb, als meine noch Mutter ziemlich jung war. Danach heiratete meine Oma nie wieder, sondern kümmerte sich um ihre beiden Kinder und eröffnete ein Geschäft, um sich auch finanziell versorgen zu können. Sie kümmerte sich um alles und jeden – dafür bewundere ich sie bis heute. Sie war ein Vorbild für meine Mutter und ist es auch heute für mich.“
„Die Akzeptanz für verschiedene Lebensmodelle steigt und gibt Frauen die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten möchten. Es ist in Ordnung, sich für Familie und Haushalt zu entscheiden, ohne dafür verurteilt zu werden.“
Das Projekt Die moderne Hausfrau macht Schubladendenken sichtbar. Menschen werden viel zu schnell in Schubladen gesteckt. Ja, Schubladendenken ist menschlich, aber Selbstreflexion ist so viel wichtiger!
Ein interaktiver Schrank mit drei Schubladen zeigt, wie sich das Bild der Frau und ihre Rolle in der Gesellschaft über die Jahrzehnte hinweg verändert hat. Während die erste Lade alte Werbeanzeigen und Stereotype offenlegt, dokumentiert die zweite den Kampf um Gleichberechtigung und Emanzipation. Die dritte Schublade zeigt den modernen Tradwife-Trend in den sozialen Medien, wodurch jedoch viele der Errungenschaften des Feminismus ins Wanken zu geraten scheinen.
Früher galt es als Zeichen des Wohlstands, wenn die Ehefrau zu Hause bleiben konnte. Besonders in den 1980er Jahren erkämpften sich Frauen neue Rechte – ein Kampf, der bis heute andauert (Stichwort Equal Pay Day). Doch nun wollen politische Parteien eine Herdprämie einführen und in den sozialen Medien wird der Trend zur „Tradwife“ (alias Traditional Housewife) stark verbreitet.
Mit dem Projekt Die moderne Hausfrau möchten die Künstlerinnen folgende Fragen in den Fokus rücken: Wie soll die Zukunft einer Frau aussehen? Welche Rollenbilder nehmen wir (un)bewusst an?
Ein Projekt, das hinterfragt – und zum Hinterfragen einlädt.
Barbara Reiter, Luna Hörstlhofer, Lucia Kottar-Trimmel und Rosa Gottwald (alle *2007) sind das Team hinter dem Projekt Die moderne Hausfrau. Seit 2021 besuchen sie gemeinsam die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, wo sie ihre große Leidenschaft für Kunst in allen Formen ausleben können. Durch ihre unterschiedlichen Interessen in den Bereichen Film, Design und Illustration haben sie zueinandergefunden und ergänzen sich perfekt als Team. Später wollen sie auch in diesen Bereichen tätig werden.
Mit ihrer Installation Die moderne Hausfrau gelingt es den Künstlerinnen, jahrzehntealte, komplexe gesellschaftliche Narrative zur Rolle der Frau mit künstlerischem Feingefühl und analytischer Klarheit zu durchleuchten. Zwischen historischem Archivmaterial, symbolischer Objektanordnung und aktuellen Social-Media-Phänomenen entsteht ein Raum, der nicht belehrt, sondern zum Nachdenken einlädt. Das Werk zeigt, wie tief verwurzelt bestimmte Rollenbilder sind und wie sie sich heute in neuem Gewand reinszenieren. Es ist politisch, poetisch und konsequent komponiert. Ein bemerkenswerter Beitrag, der überzeugend die Brücke zwischen Kunst, Gesellschaft und individueller Reflexion schlägt.